Die Sensorik-Sparte war unterjährig das "Sorgenkind" des Konzerns da erwartete Großaufträge ausblieben bzw. sich längerfristig verschoben hatten. Zum Jahresende 2007 konnte jedoch wieder ein Anzug des Geschäftes verzeichnet werden. Der Umsatz der Sensorik-Sparte stieg um 6 Prozent auf 162,4 Mio Euro (i.Vj. 153,2 Mio Euro). Der Anteil des Auslandsumsatzes lag bei 62,3 Prozent und entsprach damit dem Vorjahresniveau. Das Umsatzplus ging allein auf Umsatzbeiträge aus dem Bereich Industrielle Messtechnik zurück, die im Vorjahr nicht bzw. nicht vollständig enthalten waren. So sind die Umsätze aus der 2006 erworbenen Etamic-Gruppe 2007 erstmals vollständig (i.Vj. anteilig seit 1. Oktober 2006) und die Umsätze der 2007 erstkonsolidierten Detroit Precision Hommel seit 2. April 2007 enthalten (i.Vj. 0).
| Sensorik auf einen Blick (in Mio EUR) |
2007 |
2006 |
Veränderung in % |
|---|---|---|---|
| Umsatz |
162,4 |
153,2 |
6,0 |
| EBIT |
8,7 |
18,1 |
-51,9 |
| Auftragseingang |
162,2 |
145,3 |
11,6 |
| Auftragsbestand |
71,5 |
69,0 |
3,6 |
| Mitarbeiter |
1.173 |
1.050 |
11,7 |
Das Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit der Sparte blieb deutlich hinter dem Vorjahreswert zurück. Es betrug 8,7 Mio Euro und lag damit um absolut 9,4 Mio Euro unter dem sehr hohen Vorjahreswert (i.Vj. 18,1 Mio Euro). Ursache für den starken Ergebnisrückgang war vor allem ein schwaches internationales Marktumfeld der Verkehrssicherheitstechnik und die verzögerte Vergabe von Aufträgen auch im Bereich der Raumfahrttechnik. Im Bereich Industrielle Messtechnik, der sich vorrangig auf das Zusammenführen der globalen Aktivitäten mit der in 2006 akquirierten Etamic konzentrierte, lagen die Ergebnisbeiträge im Rahmen der Erwartungen.
Wie beim Umsatz und Ergebnis machte sich die unterjährig schleppende Geschäftsentwicklung zweier wichtiger Teilbereiche der Sparte auch innerhalb der Auftragslage bemerkbar. Die Auftragseingänge legten zwar um 11,6 Prozent auf 162,2 Mio Euro zu (i.Vj. 145,3 Mio Euro), jedoch resultierte der Zuwachs auch hier im Wesentlichen aus dem Beitrag zuvor nicht enthaltener Auftragseingänge der beiden neuen Messtechnik-Gesellschaften. Zum Jahresende zog der Auftragseingang der Sparte deutlich an. Auftragseingang im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich konnte vermeldet werden, darunter der größte Auftrag der Firmengeschichte in der Raumfahrttechnik: Jenoptik vereinbarte Ende 2007 mit der Mitsubishi Electric Corporation einen langfristigen Liefervertrag über Lageregelungssensoren in zweistelliger Millionenhöhe, der zum Teil bereits im Auftragseingang des Jahres 2007 abgebildet ist. Die Book-to-Bill-Rate für die Sensorik-Sparte lag bei 0,99 (i.Vj. 0,92). Positiv entwickelte sich die Auftragslage in der industriellen Messtechnik, die von der weltweiten Integration und Präsenz ihrer Aktivitäten zunehmend profitieren kann. Der Auftragsbestand der Sparte Sensorik lag mit 71,5 Mio Euro nahezu auf dem Niveau des Vorjahres (i.Vj. 69,0 Mio Euro). Im Vorjahreswert bereits vollständig enthalten war die Etamic-Gruppe, nicht jedoch die 2007 voll konsolidierte Detroit Precision Hommel.
Die F+E-Aufwendungen der Sparte betrugen 13,0 Mio Euro und lagen damit exakt auf Vorjahresniveau.
Wesentliche Projekte waren 2007 Projekte in der Industriellen Messtechnik unter anderem die Weiterentwicklung und Ergänzung des Produktportfolios. Neuentwicklungen im Bereich Raumfahrt zur Erdbeobachtung basierten im Wesentlichen auf den Ergebnissen aus dem RapidEye-Projekt. Das multispektrale abbildende Radiometer METimage wird für zukünftige Meteorologie- und Umweltsatelliten entwickelt. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt und der Deutsche Wetterdienst unterstützen das Instrumentenkonzept als nationalen Beitrag zum EPS-Nachfolgesystem EUMETSAT. In der Verkehrssicherheit stand neben neuen Messtechnologien und der Verbesserung vorhandener Produkte vor allem die umfassende Innovation des Geschäftsmodells im Vordergrund. Der weitere Einstieg in das internationale Service-Providing-Geschäft wird vorbereitet. In der Industriellen Messtechnik befinden sich mehrere neue Messsysteme am Anfang ihres Produktlebenszyklus bzw. werden Anfang 2008 in Serie gehen.
Bei den Laserbearbeitungsanlagen brachte Jenoptik 2007 das Laserschweißverfahren für Kunststoffe zur Serienreife, das anspruchsvolle mikrosystemtechnische Module aus den Bereichen Pharma, Diagnostik und Medizintechnik nach individuellen Kundenbedürfnissen vollautomatisiert verschweißt. Für das Trennen von Substratkeramiken wurde im eigenen Haus eine neuartige Lasertechnologie entwickelt und patentiert. Durch Erwärmen mittels Laserstrahl und anschließendem definierten Abkühlen entstehen Spannungen im Material, die ein definiertes Trennen erlaubt. Das berührungslose Verfahren erzeugt absolut mikrorissfreie Trennkanten - ein Vorteil vor allem für die Weiterverarbeitung von Hightech-Produkten. Die ersten beiden Anlagen wurden nach Asien verkauft. Gelungen ist 2007 auch der Einstieg in den Solarmarkt. Jenoptik bietet hier Maschinen für alle selektiven Bearbeitungsschritte bei der Herstellung von Dünnschicht-Solarzellen, wobei photoaktive Halbleiter als dünne Schichten auf ein Trägermaterial aufgebracht werden. Diese Schichten werden mit den JENOPTIK-VOTAN G-Anlagen im Herstellungsprozess mehrfach strukturiert und so zu einem Modul elektrisch verschaltet.
In der Industriellen Messtechnik wurden neben der weiteren Zusammenführung der weltweiten Aktivitäten 2007 gleich mehrere neue Systeme und Maschinen erfolgreich am Markt eingeführt: Mit dem Innenprüfsensor IPS-10 zur automatischen Oberflächendefekt-Erkennung in Bohrungen wurde eine weitere Automatisierungslücke geschlossen. Seit einigen Jahren beschäftigte sich Hommel-Etamic mit der besonders bei immer kürzeren Taktzeiten schwierigen automatischen Prüfung der Oberflächen von Motorkomponenten wie z.B. Zylinderbohrungen. Im IPS 10 sorgt eine Rundumblickoptik, die in die Bohrung hineinbewegt wird, für ein Abbild der Bohrungsinnenfläche. Der HOMMEL nanoscan erweitert das Produktprogramm im Bereich der Rauheits- und Konturenmessung, das eine hochgenaue Messung Oberflächenrauheit im Fertigungsprozess gleichzeitig mit der Konturenmessung erlaubt. Der HOMMEL shaftscan bietet als neue Generation eine schnelle und flexible taktile Vermessung von Kurbel- und Nockenwellen.
In der Raumfahrttechnik lieferte die Jena-Optronik die fünfte RapidEye-Kamera aus und schloss so einen 2004 erhaltenen Großauftrag erfolgreich ab. Die fünf Multispektralkameras sind das Herzstück eines privatwirtschaftlichen satellitengestützten Erdbeobachtungssystems und stellen gestochen scharfe, multispektrale und hoch aufgelöste Bilder aus dem Weltraum bereit. Die gesamte Produktfamilie der Erdbeobachtungsinstrumente wurde erstmals auf der wichtigsten Leitmesse für Luft- und Raumfahrt im Juni 2007 in Le Bourget/Paris ausgestellt. Erstmals zeigte Jenoptik ein Modell des Radiometers METimage für zukünftige Meteorologie- und Umweltsatelliten. Die hervorragende Arbeit als Zulieferunternehmen der internationalen Luft- und Raumfahrtindustrie honorierte Boeing Satellite Systems mit der Anerkennung "Zulieferer des Jahres 2006" für den autonomen Sternsensor ASTRO 15. Boeing honorierte damit die Kundenzufriedenheit sowie die hohe Qualität der Produkte.
Die Verkehrssicherheitstechnik blickt auf ein differenziertes Jahr. So gelang der Einstieg in das Service Providing mit einem Großauftrag aus Nordamerika - ein wichtiger Meilenstein in der strategischen Entwicklung dieses Geschäftes. Die ROBOT Visual Systems GmbH, eine Jenoptik-Tochter in der Sensorik-Sparte, erhielt Anfang 2007 einen internationalen Großauftrag über deutlich mehr als 10 Mio Euro. Der Auftrag läuft über fünf Jahre und enthält eine Option auf Verlängerung um weitere fünf Jahre. Installiert werden zunächst mindestens 220 Überwachungssysteme des Typs TraffiStar SR 520. Damit wird die Rotlichtüberwachung von der Nassfilmtechnik auf Digitaltechnik umgestellt. Die Anlage SR 520 gehört zu den modernsten und kompaktesten Verkehrsüberwachungssystemen weltweit und basiert auf dem in Jena entwickelten digitalen Kamerasystem mit einem 11-Megapixel-Color-CCD.
Für das Gerätegeschäft fehlten 2007 große internationale Aufträge. Das Inlandsgeschäft entwickelte sich hingegen stabil. Nach der Thüringer Waldautobahn installierte Robot im Frühjahr 2007 unter anderem auch im neuen Tunnel der A4 bei Jena modernste digitale Überwachungstechnik.
Im Ausland kam ein wichtiger Auftrag aus Finnland. Dort baut die Jenoptik-Tochter Robot die Marktabdeckung weiter aus. In 2008 und 2009 wird Robot im stationären Bereich 200 Außengehäuse und 20 Innenteile des Typs TraffiStar SR 520 sowie sechs mobile Radaranlagen MultaRadar C liefern. Für 2010 existiert eine Option auf weitere 200 Außengehäuse plus 20 Innenteile und sechs mobile Radaranlagen.
Die Mitarbeiterzahl der Sensorik-Sparte stieg per 31.12.2007 auf 1.173 (31.12.2006: 1.050 Mitarbeiter). Der innerhalb der drei Konzernsparten stärkste Zuwachs um 11,7 Prozent bzw. absolut 123 Mitarbeiter resultiert vor allem aus den neuen Mitarbeitern im Zuge des Erwerbs der US-Aktivitäten und Erstkonsolidierungen infolge des Etamic-Erwerbs in der Industriellen Messtechnik. Mit diesen Auslandsaktivitäten beträgt der Anteil der im Ausland beschäftigten Mitarbeiter der im Konzern am weitesten internationalisierten Sparte nun 29,3 Prozent (i.Vj. 23,5 Prozent).
Die Sensorik-Sparte hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 11,0 Mio Euro in immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen investiert und damit 42,9 Prozent mehr als im Vorjahr (i.Vj. 7,7 Mio Euro). Schwerpunkt der Investitionen waren die neuen Anlagen für die Verkehrsüberwachung in Nordamerika im Rahmen des Service Providing, die bei Jenoptik verbleiben und damit als Investitionen gelten. Den Investitionen standen Abschreibungen in Höhe von 5,5 Mio Euro gegenüber (i.Vj. 4,3 Mio Euro).
Wie auch in der Laser- & Optik-Sparte stand das Jahr 2007 unter dem Vorzeichen der Zusammenführung von in den Vorjahren erworbenen Aktivitäten. Besondere Bedeutung hat die Formierung des weltweit agierenden Komplettanbieters für industrielle Messtechnik, der aus Hommelwerke und der französisch/schweizerischen Etamic/Movomatic-Gruppe entstanden ist. Seit Frühjahr 2007 firmiert das Unternehmen unter Hommel-Etamic. In den USA wurde die Zusammenführung der beiden Gesellschaften Detroit Precision Hommel, Inc., Detroit, und Etamic Corp., Plymouth, zu einem Standort in Detroit Ende des Jahres abgeschlossen. Um dies vorzubereiten, hatte Jenoptik mit Wirkung zum 2. April 2007 die ausstehenden 75 Prozent an dem US-amerikanischen Unternehmen Detroit Precision Hommel, Inc. mit Sitz in Rochester Hills nahe Detroit übernommen. Weitere wesentliche Akquisitionen gab es 2007 in der Sensorik-Sparte nicht.