Jenoptik will die Position als einer der weltweit führenden Optoelektronik-Anbieter ausbauen. Um dies zu erreichen, sind konkrete und langfristige Ziele definiert und im Geschäftsbericht 2008 auf den Seiten 103 bis 105 ausführlich beschrieben.
Maßnahmen zur Kostensenkung wurden im Konzern im Rahmen der strategischen Neuausrichtung sowie im Zusammenhang mit der Finanz- und Wirtschaftskrise eingeleitet. Im Gesamtjahr 2009 wird daraus eine Kostenersparnis von mehr als 10 Mio Euro erwartet, die zur Fixkostensenkung beiträgt und damit den Umsatz- und Margenrückgang teilweise kompensiert. Zu den Maßnahmen gehören:
Um auch bei einem Umsatzniveau unterhalb dessen von 2008 wettbewerbsfähig zu bleiben, wurden die Maßnahmen zur Kostensenkung im abgelaufenen 3. Quartal ausgeweitet. Sie beinhalten im wesentlichen Prozess- und Strukturanpassungen, die mit der Reduktion der Stammbelegschaft auf etwa 3.000 Mitarbeiter einhergehen werden.
Das Jenoptik-Exzellenz-Programm, das im Rahmen der strategischen Neuausrichtung Anfang 2009 startete, wird aktuell in allen Konzernteilen umgesetzt. Es beinhaltet die umfassende und permanente Optimierung von Prozessen zur Kostensenkung und Qualitätssicherung, die weitere Vertiefung der Spartenstruktur sowie das Setzen konzernweiter Prozess-Standards, die die Effizienz und die Qualität erhöhen. Die Analysephase des Jenoptik-Exzellenz-Programms wurde im März abgeschlossen. Die Umsetzung startete im 2. Quartal 2009 mit jenen Themen, die die größten positiven Auswirkungen haben, wozu im Wesentlichen der Konzerneinkauf sowie die Optimierung der Produktionsabläufe zählen. Zu den Kernmaßnahmen des Programmes zählen unter anderem die Einführung von Lean- und Design-to-Cost-Strukturen, die weitere Optimierung des Einkaufs, ein aktives Bestands- und Working-Capital-Management sowie die Standardisierung der IT-Strukturen.
Vorbereitet ist die Schließung des Optik-Standortes Gießen mit der Verlagerung der Fertigung nach Jena, die im laufenden 2. Halbjahr beginnt . Auch in der Sparte Industrielle Messtechnik, die den starken Nachfragerückgang aus der Automobilindustrie auffangen muss, wird die weitere Optimierung der Standorte vorbereitet. Der Rückzug aus dem Geschäft mit Mittelformatkameras der Sparte Optische Systeme wurde im 3. Quartal bereits abgeschlossen.
Das Shared Service Center startete im Januar 2009 mit seinen operativen Aufgaben. Sie umfassen derzeit die Themenfelder Informationstechnologie (IT), Personal, Konzerneinkauf, Immobilienmanagement, Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutz (AGU), Sicherheit sowie technische Dienste und sollen in den kommenden Jahren schrittweise erweitert werden. Schwerpunkt aktuell ist die Harmonisierung der IT im Konzern. Ein wesentlicher Schritt war die Inbetriebnahme eines neuen zentralen Rechenzentrums sowie des Konzern-Netzwerkes. Mit einem neuen Einkaufsleiter, der zum 1. Oktober 2009 begann, wird Jenoptik die Optimierung des Einkaufs- und Supply-Chain-Managements weiterführen.
Die künftige Entwicklung in den Segmenten sehen wir unter der Annahme, dass sich die von der Krise unterschiedlich stark betroffenen Märkte generell wieder erholen, jedoch mit unterschiedlichem Zeithorizont. Inwieweit die Wirtschaftskrise allgemeine Markttrends nachhaltig beeinflussen wird, kann derzeit nicht prognostiziert werden.
Im Segment Laser & Optische Systeme werden die Dauer und das Ausmaß der aktuellen Halbleiterkrise und die Entwicklung ihr verwandter Industrien den Geschäftsverlauf wesentlich beeinflussen, vor allem in der Sparte Optische Systeme. Hier zeichnet sich eine leichte Belebung ab, die jedoch von einem sehr niedrigen Niveau ausgeht. In der Sparte Laser & Materialbearbeitung wird der Erfolg unter anderem von einer schnellen und gelungenen Markteinführung von Neuentwicklungen abhängen. Hohe Bedeutung spricht der Konzern dem Photovoltaik- und dem Medizintechnikmarkt sowie der Entwicklung des Faserlasers und damit dem Eintritt in neue Märkte der Lasermaterialbearbeitung zu. Eine Erholung des Marktes und Wachstum wird laut einer Studie des VDMA vom Oktober 2009 genau in den Regionen erwartet, die Jenoptik mit der aktuellen Internationalisierung adressiert.
Im Segment Messtechnik werden Dauer und Ausmaß der Automobilkrise den Geschäftsverlauf der kommenden Quartale erheblich beeinflussen. Eine Rückkehr zum Marktvolumen von 2007 bzw. Anfang 2008 erwarten wir mittelfristig, d.h. in den kommenden 2-3 Jahren, nicht. Maßnahmen zur Anpassung der Kostenstrukturen wurden ergriffen und werden aktuell ausgeweitet. Besonders die ausländischen Standorte werden restrukturiert sowie die F&E und Produktion am Standort Deutschland zusammengeführt. Die Sparte Industrielle Messtechnik profitiert insgesamt von der globalen Nachfrage nach Kraftstoff sparenden und emissionsarmen Motoren. Die Sparte Verkehrssicherheit behauptet sich in einem weitgehend stabilen Markt, der neben dem laufenden Modernisierungs- und Ersatzgeschäft von einigen ausländischen Großaufträgen im Ausland getragen wird. Als Weltmarktführer in der Verkehrssicherheitstechnik profitiert die Sparte von einem umfassenden Produktportfolio und kann beim Traffic Service Providing langfristig von dem Trend öffentlicher Auftraggeber hin zu Modellen des Public Private Partnership profitieren.
In einem weitgehend stabilen Marktumfeld bewegt sich das Segment Verteidigung & Zivile Systeme. Ursache hierfür sind auch die üblichen Vergabemodalitäten für Großaufträge, die zehn Jahre oder mehr laufen können. Dies betrifft vor allem die Geschäftsbereiche Mechatronik und Optronik. Jenoptik liefert hier an Systemhäuser und verfügt über langjährige und intensive Beziehungen zu den Kunden. In der gesamten Sparte und besonders auch im Geschäftsbereich Sensorik zeigte sich der Trend zu Systemen für Sicherheit - sowohl im zivilen als auch im militärischen Bereich.
Ein Ende der Krise in der globalen Wirtschaft ist laut IWF noch nicht in Sicht. Zwar soll die Weltwirtschaft im nächsten Jahr um 3,1 Prozent wachsen. Der IWF prognostiziert jedoch, dass diese Impulse von einer steigenden Arbeitslosigkeit aufgezehrt werden.
Die Ökonomen der Federal Reserve rechnen für die US-Wirtschaft nicht mit einer schnellen Erholung nach der Krise. Das Institut der deutschen Wirtschaft prognostiziert, dass 2010 das Bruttoinlandsprodukt in den USA um 1,5 Prozent wächst.
Für die Eurozone geht die EU-Kommission in Brüssel für das Jahr 2009 von einem BIP-Rückgang um 4,0 Prozent aus. 2010 erwartet die EU-Kommission eine langsame Markterholung in der Eurozone.
Für Deutschland korrigierte die EU-Kommission die Prognose von minus 5,4 auf minus 5,1 Prozent. 2010 erwarten die Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Herbstgutachten mit plus 1,2 Prozent wieder einen Anstieg der Wirtschaftsleistung.
Die Prognosen für die chinesische Wirtschaft sind durchweg positiv. Der Internationale Währungsfond sagt für 2010 ein Wirtschaftswachstum von 9 Prozent voraus. China ist damit Wachstumsmotor der Weltwirtschaft.
Bei den für Jenoptik wichtigen Branchen bestehen für die weitere Entwicklung differenzierte Prognosen. So müssen die Unternehmen der Optischen Technologien laut Fachverband SPECTARIS im laufenden Jahr mit einem Umsatzrückgang von20 Prozent rechnen. Dies entspräche dem Umsatzniveau von 2005.
Für die weltweite Halbleiterindustrie prognostizieren die Analysten von Gartner eine positive Tendenz im nächsten Jahr, erwarten für 2009 jedoch einen Rückgang von 48 Prozent. Ein Wachstum von 34 Prozent prognostizieren die Branchenexperten für 2010. Die Erholung der Branche werde dabei von Produkteinführungen und nicht von der Erhöhung der Wafer-Kapazitäten getragen.
Wie sich die deutsche Photovoltaik-Industrie entwickelt, bleibt unklar. Branchenverbände erwarten in den nächsten Monaten einen Rückgang der Investitionen in die deutsche Solarindustrie. Vor allem kleine Firmen leiden unter den niedrigen Preisen der Konkurrenz aus China und den USA. Deshalb verlagern auch deutsche Solarfirmen ihre Produktion teilweise nach Asien, wo die Branche vor allem in China, Taiwan und Korea einen Boom verzeichnet.
In der deutschen Automobilindustrie werden die Export- und Produktionszahlen des Gesamtjahres 2009 unter dem Vorjahr liegen, jedoch sei die Talsohle laut Angaben des VDA erreicht. Nach dem Wegfallen der staatlichen Hilfen sieht die Automobilindustrie jedoch äußerst kritisch auf das Jahr 2010. Erst 2011 ist laut dem Forschungsinstitut Business Data Worldwide eine Erholung der Automobilnachfrage in Sicht.
Der Maschinenbau insgesamt werde 2009 den stärksten Auftrags- und Produktionsrückgang der letzten Jahrzehnte durchleben und laut VDW um rund 40 Prozent schrumpfen. Für 2010 erwartet der VDMA aber spätestens im 2. Halbjahr eine Trendwende, zurückgehend vor allem auf Nachfrageimpulse aus dem asiatischen Markt.
Die Luftfahrtindustrie werde 2009 mehr Verluste einfahren als ursprünglich prognostiziert. Der internationale Luftfahrt-Verband IATA rechnet mit herben Verlusten für Fluggesellschaften. Der Verband korrigiert damit seine Prognosen von weltweit 9 Mrd auf 11 Mrd Dollar nach unten. Auch 2010 werde die Branche Verluste schreiben.
Die bis zum 30. September 2009 erzielten Ergebnisse des Jenoptik-Konzerns lassen nicht notwendigerweise Vorhersagen über die Entwicklung des weiteren Geschäftsverlaufs zu. Alle hier nachfolgenden Angaben erfolgen unter der Voraussetzung, dass sich die wirtschaftliche Lage nicht weiter verschlechtert bzw. eine leichte Erholung eintreten wird. Aussagen zur zukünftigen Entwicklung der Geschäftslage wurden auf Basis des aktuellen Informationsstandes getroffen.
Prognoseprämissen. Der Verlauf der weiteren Geschäftsentwicklung der drei Segmente unterliegt den folgenden Annahmen:
Segment Laser & Optische Systeme: Eine leichte Abmilderung der Halbleiterkrise in der zweiten Jahreshälfte 2009 ist eingetreten und sollte das Geschäft 2010, vor allem im 2. Halbjahr, leicht beleben. Positive Ergebniseffekte werden zukünftig auch infolge der Aufgabe des Geschäftes mit Mittelformatkameras, das laufende Verluste auswies, aus der Überführung der Produktion des Standortes Gießen nach Jena sowie aus der Zusammenlegung der US-Optik-Geschäftsaktivitäten erwartet. Die Sparte Laser & Materialbearbeitung erwartet infolge der Auslieferung mehrerer Laseranlagen ein umsatzstarkes 4. Quartal. Aufgrund des Rückgangs des Geschäftes mit Lasern für die Automobilindustrie und den Maschinenbau wird trotz der weitgehend positiven Entwicklung des Geschäftes mit Medizinlasern und der Photovoltaikindustrie der Vorjahreswert nicht ganz erreicht. Das Segment Laser & Optische Systeme ist beim EBIT zudem von den Sondereinflüssen aus der Aufgabe des Geschäftes mit Mittelformatkameras in Höhe von 8,4 Mio Euro belastet.
Segment Messtechnik: Der Auftragseingang in der Sparte Industrielle Messtechnik liegt seit Jahresbeginn 2009 auf einem sehr niedrigen Niveau. Dies wird einen weiteren leichten Umsatzrückgang im laufenden 4. Quartal verursachen, der von der weitgehend stabilen Sparte Verkehrssicherheit nicht kompensiert werden kann. Chancen der Sparte Verkehrssicherheit ergeben sich neben einer überwiegend stabilen Marktentwicklung aus der kompletten Produktpalette, aus unserer Position als Weltmarktführer im Gerätegeschäft sowie aus eventuell neuen Aufträgen im Traffic Service Providing. Die Aufwendungen aus dem Aufbau dieses Geschäftes sind im EBIT verarbeitet.
Segment Verteidigung & Zivile Systeme: Aufgrund des hohen und langfristigen Auftragsbestandes besteht eine relativ hohe Planungssicherheit bei Umsatz- und Ergebnisentwicklung. Zum neuen und modernen Schützenpanzer Puma der Bundeswehr wird Jenoptik Komponenten und Subsysteme im Wert von rund 70,0 Mio Euro beisteuern, die im Auftragsbestand per 30. September 2009 noch nicht enthalten waren.
Prognose Geschäftsverlauf: Umsatz und Ergebnis des Jenoptik-Konzerns werden im Gesamtjahr 2009 das Niveau von 2008 nicht erreichen. Die erschwerten Absatzbedingungen sind in den Segmenten jedoch wie beschrieben unterschiedlich stark ausgeprägt.
Auch im schwierigen Umfeld des Jahres wird Jenoptik vom stabilen Geschäft des Segmentes Verteidigung & Zivile Systeme profitieren. Hier erwarten wir 2009 weiterhin einen Umsatzbeitrag von mehr als 200 Mio Euro (2008: 208,5 Mio Euro). Eine relativ stabile Umsatzentwicklung erwarten wir auch in der Sparte Verkehrssicherheit (Segment Messtechnik) sowie in der Sparte Laser & Materialbearbeitung. In den Sparten Optische Systeme und Industrielle Messtechnik erwarten wir jedoch 2009 infolge eines Nachfragerückgangs deutlich niedrigere Umsätze als im Geschäftsjahr 2008. Daher geht Jenoptik für das Gesamtjahr 2009 von einem Konzernumsatz zwischen 460 und 500 Mio Euro aus.
Das Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit des Jenoptik-Konzerns (Konzern-EBIT) wird von einem Marktumfeld mit hoher Wettbewerbsintensität infolge der Wirtschaftskrise und dem erwarteten geringeren Umsatzvolumen geprägt sein. Aufgrund des stabilen Beitrags des Segmentes Verteidigung & Zivile Systeme sowie unserer Präsenz in verschiedenen Märkten gehen wir aber von einem positiven Konzern-Betriebsergebnis vor Sondereinflüssen aus. Im Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise werden jedoch weiterhin zusätzliche, das Ergebnis belastende Sondereinflüsse erwartet - etwa durch Einmalaufwendungen infolge von Kostensenkungs- und Effizienzmaßnahmen im Jenoptik-Konzern mit damit einhergehenden Personalmaßnahmen sowie Wertberichtigungen (Impairments), unter anderem aufgrund der angespannten Marktlage. Für das Geschäftsjahr 2010 erwartet der Jenoptik-Konzern infolge der umfassenden Maßnahmen zur Kostensenkung ein Konzern-Betriebsergebnis im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich.
Bei der Auftragslage profitiert Jenoptik von der Präsenz in verschiedenen Märkten. Bei den Auftragseingängen aus der Halbleiterindustrie war im 3. Quartal - ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau - eine leichte Belebung und bei der Automobilindustrie eine Bodenbildung zu erkennen. Nahezu konstante Auftragseingänge verzeichneten hingegen die Wehr- und Sicherheitstechnik sowie die Verkehrssicherheit. Da vor allem in den Sparten Verteidigung & Zivile Systeme sowie Verkehrssicherheit Auftragseingänge im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich möglich sind, ohne dass diese mit hinreichender Wahrscheinlichkeit prognostiziert werden können, sind belastbare Aussagen zur Höhe des stichtagsbezogenen Auftragseingangs und damit auch des erwarteten Auftragsbestandes nicht möglich.
Für das Gesamtjahr 2009 soll die Mitarbeiterzahl des Jenoptik-Konzerns sinken. Infolge der Prozess-, Geschäfts- und Standortoptimierungen, verbunden mit der Erwartung, dass sich die betroffenen Branchen zwar erholen, jedoch in absehbarer Zeit nicht an das alte Marktniveau heranreichen werden, sind im Konzern weitere Personalanpassungen notwendig. Zum 31. Dezember 2008 hatte Jenoptik 3.400 Mitarbeiter und strebt eine Stammbelegschaft von etwa 3.000 Mitarbeitern an. Rund 160 Stellen werden im Ausland betroffen sein. Die Gespräche mit Arbeitnehmervertretern wurden im 3. Quartal 2009 aufgenommen. Anpassungen der Personalkapazitäten erfolgten im 1. Halbjahr 2009 im Wesentlichen durch den Abbau von Überstunden und Leiharbeit sowie die Einführung von Kurzarbeit. Grundsätzlich ist Jenoptik jedoch bestrebt, qualifizierte Mitarbeiter zu halten.
Die Finanzierung des Konzerns ist mit dem neuen Finanzierungspaket langfristig aufgestellt. Darüber hinaus stehen der Jenoptik neben den Kassen- und Bankguthaben und Wertpapieren des Umlaufvermögens in Höhe von 13,5 Mio Euro zum 30. September 2009 auch ein freier Liquiditätsrahmen über rund 70 Mio Euro durch Kreditlinien und noch nicht in Anspruch genommene Kredite zur Verfügung.