Die Weltwirtschaft verliert laut OECD an Fahrt. Infolge steigender Rohstoffpreise und turbulenter Finanzmärkte hat die OECD die Wachstumsprognose ihrer Mitgliedsstaaten für 2008 von ursprünglich 2,3 Prozent auf nun noch 1,8 Prozent gesenkt. Den meisten OECD-Volkswirtschaften stehen laut vorläufigem Wirtschaftsausblick vom Juni 2008 mehrere Quartale schwachen Wachstums bevor. Zudem sei auch kein schnelles Ende der hohen Inflationsraten in Sicht.
Die US-Konjunktur werde nach einem schwachen 1. Halbjahr im weiteren Jahresverlauf stagnieren. Zurückgegangen sind im 1. Quartal 2008 auch die Unternehmensinvestitionen, die Exporte hingegen blieben laut OECD relativ robust, da sie vom schwachen Dollar und der Ausweitung des Welthandels insgesamt profitierten.
Das hohe Wirtschaftswachstum der chinesischen Volkswirtschaft 2007 verlangsamte sich im 1. Quartal 2008 weiter unter dem Einsfluss rückläufiger Nettoexporte. Die Inlandsnachfrage bleibt wegen steigender Löhne hoch - trotz steigender Verbraucherpreise, vor allem bei Nahrungsmitteln. Infolge des Lohn- und Preisauftriebs werde laut OECD die Wettbewerbsfähigkeit langsam weiter abnehmen, sodass die Experten nach wie vor von einer sanften Landung der chinesischen Konjunktur ausgehen.
Die Konjunktur im Euroraum habe sich laut OECD hingegen gut behauptet. Das Wachstum im 1. Halbjahr beschleunigte sich etwas, nicht zuletzt wegen der überraschenden Stärke der deutschen und in geringerem Ausmaß auch der französischen Wirtschaft. Allerdings dämpft die Aufwertung des Euros das Exportwachstum.
Für die deutsche Konjunktur hatten OECD und auch DIW im Juni 2008 noch eine Erhöhung der Wachstumsprognosen veröffentlicht. Gestützt auf ein starkes 1. Quartal 2008 der deutschen Wirtschaft lagen die aktuellen Sommer-Wachstumsprognosen verschiedener Institute für das Gesamtjahr 2008 zwischen 2,2 und 2,5 Prozent. In den letzten Wochen haben sich die Konjunkturaussichten für die deutsche Wirtschaft jedoch deutlich eingetrübt. So sank der IfO-Geschäftsklimaindex im Juli 2008 so extrem wie seit den Terroranschlägen des 11. September 2001 nicht mehr. Auch die Exporte sind ersten Prognosen zufolge in den letzten Wochen leicht zurückgegangen, werden aber von einer hohen Nachfrage aus Wachstumsregionen wie Brasilien, Russland, Indien und China gestützt. Kritik üben die Konjunkturexperten an den Plänen für eine Steuersenkung, die mit Kreditaufnahmen finanziert werden müssten.
Bei der Entwicklung der Jenoptik-Branchen haben sich die Prognosen für das Jahr 2007 und für das erste Halbjahr 2008 bis auf die Entwicklung der Halbleiterindustrie weitgehend bestätigt.
Für die deutschen Unternehmen der optischen Technologien ist laut Branchenverband Spectaris das Jahr 2008 gut angelaufen. Nach einer nun amtlichen Umsatzsteigerung der Unternehmen aus dem Zweig optische Technologien um 13 Prozent auf 22,3 Mrd Euro im Jahr 2007, bestätigten die ersten Monate des laufenden Jahres den Wachstumstrend. Spectaris rechnet 2008 mit einem Umsatzwachstum um rund 9 Prozent.
Die Aussagen zum globalen Halbleitermarkt bleiben differenziert. Zwar stiegen die Chipumsätze weltweit im 1. Halbjahr 2008 um 5,4 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum 2007, für 2008 insgesamt prognostiziert die Semiconductor Industry Association (SIA) nach ursprünglich 7,7 Prozent nun mit 4,3 Prozent ein deutlich geringeres Branchenwachstum. Grund sei vor allem der anhaltende Preisdruck bei Speicherchips. Infolge der insgesamt schwächeren Weltkonjunktur haben Hersteller neue Fabprojekte verschoben, sodass die Prognosen für die Investitionen in neue Fabs und Fab-Equipment gegenüber dem Jahr 2007 deutlich zurückgehen. Diese Entwicklung wird vor allem für das 2. Halbjahr 2008 erwartet. Der Branchenverband Semi prognostiziert für das Gesamtjahr 2008 einen Rückgang der weltweiten Umsätze der Halbleiterausrüster um rund 20 Prozent.
Für die industrielle Laserbranche bleiben die Prognosen positiv. Treibende Branchen, die auf die Weiterentwicklung der Lasertechnik setzen, sind die Automobilindustrie mit immer leichteren Materialien, die Photovoltaik- sowie die Halbleiterindustrie. In der Medizintechnik entstehen neue Einsatzmöglichkeiten im Zuge der immer kürzeren Pulsfrequenzen, die eine schonendere Behandlung, z.B. des Auges, ermöglichen. Auch der Trend von der Therapie hin zur Frühdiagnostik kommt ohne neue Laserverfahren nicht aus.
Für Jenoptik zunehmende Bedeutung hat der Photovoltaikmarkt, der sich im 1. Halbjahr 2008 weiter stark belebt hat. Die geplante Kürzung der Subventionen in Deutschland war mit 8-9 Prozent weitaus geringer als die ursprünglich geplanten 30 Prozent. Ursache für den Photovoltaikboom sind weiterhin das hohe Ölpreisniveau sowie sinkende Herstellungskosten für Solarzellen infolge neuer Produktionsverfahren, die u.a. Jenoptik-Laseranlagen ermöglichen. In den kommenden drei Jahren will allein die deutsche Solarindustrie insgesamt rund sieben Mrd Euro in neue Fabriken investieren und damit das Innovationstempo weiter erhöhen.
Der Automobilmarkt belebte sich bisher nicht. Die Neuzulassungen in Deutschland stiegen zwar um 4 Prozent, jedoch in Relation zu einem extrem niedrigen Niveau im Vorjahr infolge der Mehrwertsteueranhebung. Die Zulassungen in Nordamerika sind eingebrochen - im 1. Halbjahr 2008 um rund 10 Prozent und liegen damit auf einem Tiefpunkt seit zehn Jahren. Ursache sind vor allem hohe Benzinpreise, die die Nachfrage nach spritsparenden und umweltfreundlichen Fahrzeugen anheizen. Damit verbundene Neuentwicklungen von Motorkonzepten erhöhen die Nachfrage nach präziser industrieller Messtechnik.
Die Entwicklung des Maschinenbaus spiegelte laut VDMA die wackelige Weltkonjunktur wider. Die seit vier Jahren im Aufwärtstrend befindliche Branche verzeichnete im Mai 2008 erstmals einen Auftragsrückgang. Für das Gesamtjahr 2008 wird aber weiter ein Branchenwachstum von rund 5 Prozent prognostiziert. Die zur Automatisierungstechnik gehörenden Bereiche Robotik, Montage- und Handhabungstechnik sowie industrielle Bildverarbeitung blicken den Angaben des VDMA-Fachverbandes Robotik zufolge 2007 auf einen Umsatzzuwachs von 13 Prozent. Für 2008 sind 9 Prozent Branchenwachstum prognostiziert. Basis dieser Entwicklung sei der zunehmende Trend zu Systemlösungen in allen Bereichen des Maschinenbaus.
Die internationale Luftfahrtbranche hat nach einer dreijährigen Phase hoher Flugzeugbestellungen Auftragsbücher auf Rekordniveau. Sinkende Margen im Flugverkehr deuten jedoch auf ein Ende der Hochkonjunktur. Die Internationale Luftfahrtorganisation IATA (International Transport Organisation) hat die Ergebnisprognose für die gesamte Branche 2008 bereits zum dritten Mal gesenkt und erwartet nun für die Fluggesellschaften insgesamt einen Verlust. Die Flugzeug-Hersteller sehen wegen der vollen Auftragsbücher aber eine sanfte Konjunkturlandung. Die Vormachtstellung von Airbus und Boeing wird durch Anbieter von Regionalfliegern attackiert, vor allem aus Russland, China und Japan, die mit neuen Modellen auf den Markt drängen. Auch neue Technologien treiben die Luftfahrtbranche, die der Jenoptik-Sparte Verteidigung & Zivile Systeme aber auch den Sparten Optische Systeme und der Industrielle Messtechnik Wachstumsimpulse geben können.
In der Raumfahrt ist 2008 ein Jahr mit einer Vielzahl an Missionen, die starten. Schub insgesamt gibt vor allem die starke Nachfrage der Telekommunikationsbranche und der Bereich Erdbeobachtung, sowohl für zivile als auch für militärische Zwecke. Missionen mit Jenoptik-Beteiligungen: Im 1. Halbjahr 2008 das Andocken des unbemannten Transportvehikels "Jules Verne" der ESA an die ISS, die wissenschaftliche NASA-Mission GLAST, die Inbetriebnahme des SAR-Lupe-Systems durch die Bundeswehr sowie der für August dieses Jahres vorgesehene Start des privatwirtschaftlichen Erdbeobachtungssystems RapidEye.
Die Nachfrage nach Sicherheits- und Wehrtechnik bleibt ungebrochen hoch. Die Militärausgaben weltweit stiegen den Angaben des Stockholmer Instituts für Friedensforschung (SIPRI) zufolge 2007 um 6 Prozent auf insgesamt rund 850 Mrd Euro. Mehr als die Hälfte der Ausgaben entfielen auf die USA, mit großem Abstand gefolgt von Großbritannien und China. Die höchsten Zuwachsraten verzeichneten osteuropäische Staaten. Zunehmend sehen die Branchenexperten, dass bislang hermetisch abgeriegelte Rüstungsmärkte, wie etwa jener der USA, durchlässiger werden. Nutznießer dieser Entwicklung sind unter anderem europäische Anbieter.