2007 hat sich das Risikoprofil der Jenoptik weiter verbessert. Zu einer Reduzierung des Gesamtrisikos haben das verbesserte Finanzprofil nach Rückzahlung der Hochzinsanleihe sowie die Beendigung von Forschungs- und Entwicklungsthemen beigetragen, deren Risikopotenzial überdurchschnittlich hoch war. Auch Risiken aus der vertraglich bestehenden Verpflichtung zur Ausreichung von Bürgschaften konnten 2007 weiter reduziert werden. Eine sich zunächst weiter verschlechternde Marktsituation in der Sensorik bis zum 3. Quartal entspannte sich zum Jahresende hin wieder leicht.
Für die Subprime-Krise, die sich im 2. Halbjahr 2007 vom US-amerikanischen Finanzmarkt ausgehend ausgebreitet hat, kann die Entwicklung 2008 kaum prognostiziert werden. Folge der Krise sind eine Verteuerung der Kreditkonditionen sowie Einschränkungen der Refinanzierungsmöglichkeiten aller Unternehmen. Durch die Platzierung der Schuldscheindarlehen, den positiven Cashflow und mit freien Kreditlinien, die sich auf mehrere Banken und ohne Dominanz einer Bank verteilen, ist die Liquiditätsversorgung der Jenoptik abgesichert. Bei sich verschärfenden Finanzmarkt-Rahmenbedingungen, die dann auch die Entwicklung der Weltwirtschaft und unsere Zielbranchen beeinflussen könnten, ist eine Prognose der Auswirkungen für den Jenoptik-Konzern nicht möglich.
Zyklizität wichtiger Einzelmärkte. Das Jenoptik-Geschäft ist nicht wesentlich von einer bestimmten Branche abhängig. Aus diesem Grund geht das Jenoptik-Geschäft zwar mit einer Vielzahl von Branchenrisiken einher, die jedoch in ihrer Einzelwirkung bei jeweils niedrigen einstelligen Millionenbeträgen auf das Ergebnis blieben. Auf die drei größten, weitgehend voneinander unabhängigen Zielmärkte (Wehrtechnik, Industrielle Messtechnik und Materialbearbeitung), entfielen 2007 rund 60 Prozent des Gesamtumsatzes. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese drei oder alle von der Jenoptik adressierten Branchen ohne ursächliche, von uns nicht beeinflussbare Ereignisse - wie etwa ein dramatischer Einbruch der Weltwirtschaft, Kriege, Naturkatastrophen und Pandemien - gleichzeitig zusammenbrechen bzw. einen starken konjunkturellen Abschwung erfahren, schätzen wir als gering ein. Eine generelle Rezession in den USA mit entsprechenden Folgewirkungen auf die Entwicklung in Europa und Asien könnte jedoch miteinander kaum korrelierende Marktrisiken deutlich verstärken.
Schwankungen innerhalb einzelner Branchen können die Zahlungsfähigkeit der Kunden beeinflussen. Diesem Risiko begegnet Jenoptik bei größeren Projekten durch Anzahlungen und durch Zahlungsvereinbarungen, die dem Projektfortschritt und den Kosten entsprechen.
Rund 30 Prozent des Umsatzes 2007 kamen von der öffentlichen Hand. In den vergangenen Jahren hat sich der Trend verstärkt, dass die öffentliche Hand aufgrund von Geldknappheit und permanenten Budgetkürzungen die Zahlungsziele deutlich verlängert bzw. die Anzahlungsquoten permanent verringert. Dadurch werden liquide Mittel verstärkt im Umlaufvermögen gebunden.
Erfolg wichtiger Forschungsvorhaben. Das Risiko von Fehlentwicklungen, die zum Ausfall geplanter Umsätze und Abschreibungen aktivierter Entwicklungskosten führen können, lässt sich aufgrund der hohen technologischen Anforderungen und des Geschäftes in sich ständig verändernden Märkten zwar durch die im Bericht zum Risiko-Managementsystem beschriebenen Maßnahmen verringern, jedoch weder eliminieren noch aussagekräftig beziffern.
Mit der Pflicht zur Aktivierung eigener Entwicklungsleistungen bei Erreichen vorgegebener Kriterien gemäß IAS 38 haben sich die Risiken bilanzieller Effekte möglicher Fehlentwicklungen deutlich erhöht. Infolge von Fehlentwicklung drohen nicht nur Umsatz- und Ergebniseffekte, sondern es besteht auch ein Abwertungsrisiko. Entwicklungen, bei denen der Markterfolg ausbleibt, lassen sich bei einem Technologieunternehmen aber nie gänzlich ausschalten. Der vollständige Abbruch einzelner großer F+E-Themen kann zu Verlusten im einstelligen Millionen-Euro-Bereich führen. 2007 wurden alle größeren Entwicklungsvorhaben auf den Prüfstand gestellt und daraus resultierende Abwertungen im Konzernabschluss 2007 berücksichtigt.
Risiken und Chancen gleichermaßen resultieren zudem aus eigenen und fremden Patentanmeldungen. Die Folge können ungeplante Aufwendungen, aber auch Einnahmen aus Lizenzkäufen und -verkäufen sein sowie ungeplante Umsatzverschiebungen im positiven wie im negativen Sinne und Rechtsstreitigkeiten infolge von Patentverletzungen.
Akquisitionsrisiken begegnet Jenoptik mit einer ausführlichen Due Diligence, die in der Vergangenheit häufiger zum Nichtkauf als zu einer Akquisition geführt hat. So prüfte Jenoptik 2007 etwa zwei Dutzend Unternehmen hinsichtlich einer möglichen Akquisition oder Beteiligung, von denen nur wenige positiv entschieden wurden. Das Prüfverfahren im Konzern ist stufenweise aufgebaut. Der Beurteilung durch den operativen Bereich, der ein Unternehmen oder eine Beteiligung erwerben will, folgt eine intensive Prüfung und Begleitung des Akquisitions- und anschließenden Integrationsprozesses durch das zentrale Mergers & Acquisitions-Management. Daneben werden die Erwerbsprozesse durch den bereichsübergreifenden Investitionssausschuss regelmäßig überprüft und verbessert.
Put-Optionen für den Erwerb von Unternehmensanteile von Minderheitsgesellschaftern könnten Barmittel oder Finanzierungsquellen schmälern. Ein unmittelbares Ergebnisrisiko besteht jedoch zumeist nicht, da in der Regel neue Unternehmensanteile erworben werden. Bei bereits festgelegten Konditionen bestehen jedoch sowohl ein Risiko als auch die Chance, dass der zukünftige Wert des Unternehmensanteils zum Zeitpunkt der Ausübung der Option negativ oder positiv von der Optionsvereinbarung abweicht. Put-Optionen auf operative Unternehmensteile, häufig Bestandteil eines Akquisitionsprozesses, bestehen zum aktuellen Zeitpunkt nicht. Im Immobilienbereich gibt es Put-Optionen stiller, steuerlich motivierter Anleger, die jedoch frühestens ab 2011 und später gezogen werden können.
Die Ausweitung des internationalen Geschäftes ist wesentlicher Wachstumspfad. Sie soll sowohl über Akquisitionen im Ausland als auch über den Markteintritt sowie den Ausbau und gleichzeitig die lokale Straffung der direkten internationalen Präsenz erfolgen. Zu den bereits beschriebenen Akquisitionsrisiken kommen bei einem Engagement im Ausland Risiken aus Kultur- und Sprachbarrieren hinzu. Dem begegnet Jenoptik, indem der Einstieg in einen Markt mit - sofern es möglich ist - lokalen Partnern bzw. einem lokalen Management erfolgt.
Das Risiko aus Veränderungen der Marktstellung besteht vor allem infolge von Technologiewechseln oder -sprüngen, des Aufbaus einer "second source" durch Hauptkunden und des massiven Markteindringens von Wettbewerbern. In ihren jeweiligen Kernmärkten konkurriert Jenoptik jeweils mit einer Hand voll Unternehmen weltweit. Das Risiko, dass alle Konkurrenten gleichzeitig mit neuen Produkten und Technologien auf den Markt kommen, schätzt die Jenoptik - ähnlich der Branchenrisiken - zwar als gering ein. Aufgrund der veränderten Marktstellung in einem oder mehreren Kernmärkten kann es jedoch zu Umsatz- und Ertragseinbußen kommen.
Das Übernahmerisiko für den Gesamtkonzern ist vom Aktienkurs abhängig. Rund 70 Prozent der Jenoptik-Anteile befinden sich im Freefloat. Die ECE Industriebeteiligungen GmbH, Wien, meldete am 25. Februar 2008, 25,02 Prozent der Anteile zu halten. ECE investierte mit einem nach eigenen Aussagen mittel- bis langfristigen Engagement, was das Übernahmerisiko reduziert. Dem entgegen wirkt der seit Dezember 2007 gesunkene Aktienkurs.
Personalrisiken. Die Jenoptik ist auf hoch qualifizierte Mitarbeiter angewiesen. Dabei konkurriert sie mit weiteren Großunternehmen sowie mit zahlreichen mittleren, kleinen und Start-up-Unternehmen um die besten Arbeitskräfte. Das organische Wachstum der vergangenen sowie das angestrebte Wachstum der Folgejahre führen zu einem größeren Bedarf an Neueinstellungen, die jedoch unterproportional zur Umsatzausweitung erfolgen sollen. Zudem besteht die Notwendigkeit, über Neueinstellungen die Fluktuationsrate auszugleichen, die 2007 bei rund 2 Prozent lag. Unter Berücksichtigung des angestrebten organischen Wachstums, der Fluktuation sowie der altersbedingten Austritte wird der Personalbedarf in den kommenden Jahren auf einem ähnlich hohen Niveau wie in den Vorjahren liegen. Da jedoch gleichzeitig vor allem in den neuen Bundesländern die Anzahl der Schulabgänger bereits ab dem Jahr 2008 drastisch sinken wird, besteht künftig ein Risiko, freie Stellen und Ausbildungsplätze nicht mit geeigneten Bewerbern besetzen zu können. Dem begegnet Jenoptik mit verschiedenen Maßnahmen, um die Attraktivität als potenzieller Arbeitgeber nachhaltig zu verbessern. Ein zentrales Personalmanagement einschließlich eines Personalmarketings startete 2007 mit der Profilierung der Jenoptik als attraktiver Arbeitgeber, sowohl für potenzielle als auch für die aktuell im Jenoptik-Konzern beschäftigten Mitarbeiter und Auszubildenden.
Risiken aus der Organisationsentwicklung resultieren aus den notwendigen Anpassungen der Organisations- und Führungsstruktur. Diese waren notwendig, um das Wachstum in Zukunft direkter steuern zu können. Den Chancen auf einen größeren Unternehmenserfolg als mit den alten, kleinteiligen Organisations- und Führungsstrukturen stehen weitaus geringere Risiken in der Übergangsphase der Organisation gegenüber. Diesen Risiken begegnen wir mit einem aktiven Change-Management-Prozess. siehe Prognosebericht
Starke Abhängigkeit von einzelnen Kunden besteht für einige operative Bereiche. Auf Ebene des Gesamtkonzerns lag 2007 der Auftragseingang von den drei größten Kunden bei rund 18 Prozent des gesamten Auftragseingangs des Konzerns. Beim Umsatz entfielen 14 Prozent auf die drei Top-Kunden. Dem Risiko eines Abbruchs der Geschäftsbeziehungen begegnen wir durch ein Key-Account-Management. Zudem basieren Kundenbeziehungen teilweise auch auf langfristigen Liefervereinbarungen, denen zum Teil auch Spezialentwicklungen zu Grunde liegen, was dem Risiko eines Abbruchs von Geschäftsbeziehungen entgegen wirkt.
Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten besteht vor allem bei der Beschaffung von Spezialkomponenten bzw. bei durch Jenoptik vergebenen Entwicklungsaufträgen, die nicht zu den geforderten Ergebnissen führen. Durch den Produktmix der Jenoptik ist das Umsatz- und Ergebnisrisiko für den Gesamtkonzern bei Lieferengpässen eines Schlüssellieferanten in der Regel gering. In Einzelfällen kann es jedoch infolge von Lieferantenproblemen zu Produktionsstillstand, Umsatzausfall, Reputationsverlust, Vertragsstrafen, Schadensersatz und dem Verlust von Folgeaufträgen kommen. Damit entstehen gegenüber den Umsatzeinbußen deutlich überproportionale Ertragseinbußen. Gegenmaßnahmen, um die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten zu reduzieren, sind der Aufbau von second sources, ein aktives Schnittstellen-Management bei Fremdentwicklungen sowie ein Insourcing strategischer Schlüsselkomponenten.
Langfristige Aufträge bieten mit stabilen Kalkulationsgrundlagen und zukünftiger Auslastung eine gute Prognosesicherheit. Risiken ergeben sich vor allem aus dem üblicherweise hohen Volumen der Aufträge, langfristigen Kalkulationen, Vorleistungsinvestitionen und - bei sehr langfristigen Aufträgen - infolge der Inflation. Diesen Risiken begegnet Jenoptik mit rollierenden Prognosen, Preisgleitklauseln sowie mit Anzahlungen.
Zur Vermeidung von Produkthaftungsfällen arbeiten die Unternehmen der Jenoptik nach einschlägigen nationalen und internationalen Regelungen und Gesetzen und unter hohen Qualitätssicherungsmaßnahmen. Ein als niedrig eingeschätztes Restrisiko wird weitergehend über die Betriebs- und Produkthaftpflicht-Versicherung der Jenoptik abgedeckt, welche als weltweites Deckungskonzept alle nationen und internationalen Beteiligungsgesellschaften der Jenoptik erfasst. Damit wird auch den speziellen Anforderungen auf dem US-Markt Rechnung getragen.
Exportrisiken bestehen infolge von Handelsrestriktionen gegenüber bestimmten Nationen, Institutionen, Einzelpersonen, Unternehmen und hinsichtlich der Erlangung von Ausfuhrgenehmigungen für genehmigungspflichtige Produkte für Jenoptik als Lieferant wehrtechnischer Güter. Diesem Exportrisiko begegnet Jenoptik mit umfassenden Prüfungen und der konzernweiten Einführung des neuen SAP-Moduls SAP Global Trade Services, die 2007 startete. Bei der Überführung der Geschäftsprozesse in das SAP-GTS- werden alle bestehenden einkaufs-, vertrieblichs- und finanzseitigen Aktivitäten einmalig gescannt und dann permanent überwacht, sodass Exportrisiken frühzeitig erkannt werden.