Die bereits mit Ablauf des Jahres 2006 geäußerten Befürchtungen eines Abschwungs der Weltkonjunktur nach langjährigem Rekordwachstum sind 2007 nicht vollständig eingetreten. Gleichzeitig ist derzeit noch nicht absehbar, wie stark die Finanzmarktturbulenzen in 2008 und 2009 direkt und indirekt wirken werden. Die derzeit von der OECD prognostizierten Wachstumsraten liegen daher mit 2,3 Prozent (2008) bzw. 2,4 Prozent (2009) auch deutlich unterhalb des durchschnittlichen Niveaus von 1995 bis 2006. Diese negative Tendenz wird geteilt: So warnen die UN vor der Gefahr eines Stillstandes der Weltwirtschaft und die Weltbank senkte ihre Prognose für 2008 von 3,6 auf 3,3 Prozent.
Der Preis für Rohöl stieg zu Jahresbeginn 2008 erstmals über 100 US-Dollar. Die OECD geht von einem Jahresniveau um die 90 US-Dollar nach zuvor 65 US-Dollar aus. Weitere Risiken liegen für die OECD in den derzeit nicht abschätzbaren indirekten Auswirkungen der Finanzmarktkrise, die sich in höheren Finanzierungskosten und restriktiverem Liquiditätszugang niederschlagen werden.
Da die Subprime-Krise in den USA ihren Ausgangspunkt nahm, ist der Ausblick für die US-Konjunktur besonders trüb. Zwar versucht die Federal Reserve Bank durch eine deutliche Absenkung des Zinsniveaus seit Mitte vergangenen Jahres frühzeitig einer restriktiven Kreditvergabe entgegenzuwirken, allerdings ist unklar, ob dies die Gefahren für den privaten Konsum und den Wohnungsbau kompensieren kann. Für die USA geht die OECD insgesamt von einem Wachstum von 2,0 Prozent in 2008 und 2,2 Prozent in 2009 aus.
Die Euro-Zone werde sich diesem Trend mit Wachstumsraten von 1,9 Prozent (2008) bzw. 2,0 Prozent (2009) laut OECD nicht entziehen können. Hauptverantwortlich für diese Verlangsamung des Wirtschaftswachstums ist die Entwicklung des Konsums und der Wohnimmobilienmärkte. Sollten sich die Auswirkungen der Finanzkrise begrenzen und die positiven Beschäftigungsentwicklungen anhalten, rechnen die OECD-Experten mit einer erneuten Beschleunigung des Wachstums ab Mitte 2008.
Mit dem Schließen der durch die dynamische Exportentwicklung der Vorjahre entstandenen Produktionslücke zum Ende 2007 wird für die deutsche Wirtschaft ein Rückfall auf Wachstumsraten von im Durchschnitt 1,8 Prozent (2008) bzw. 1,6 Prozent (2009) prognostiziert. Auch die Bundesregierung hat ihre Wachstumseinschätzung auf dieses Niveau korrigiert und sieht als Hauptrisiken die hohen Rohölpreise sowie die Immobilienkrise. Eine Reihe von Industrie- und Branchenverbänden sieht indes in dem zunehmenden Fachkräftemangel ein das Wachstum begrenzendes Element. Besonders Ingenieure und technische Facharbeiter fehlen in den dynamischen Branchen des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus.
Die japanische Wirtschaft wird gemäß der OECD-Prognosen auch in den nächsten Jahren in ihrer Wachstumsdynamik hinter den beiden anderen großen OECD-Wirtschaftsräumen zurückbleiben. Im Rahmen des allgemeinen Trends wird ein Wachstum des realen BIP 2008 von zunächst 1,6 Prozent prognostiziert, bevor es 2009 mit 1,9 Prozent wieder leicht höher ausfallen soll.
Aussicht auf ein dynamisches Wachstum wird in den nächsten Jahren weiterhin den BRIC-Staaten bescheinigt. In China dürfte das Wachstum 2008 und 2009 leicht nachgeben. Die OECD sieht als Ursache einen höheren Preis- und Lohnauftrieb, der der Wettbewerbsfähigkeit schadet, und steigenden Importen. Die Grundantriebskräfte der chinesischen Wirtschaft - der Export und eine gute Ertragslage - sieht die OECD jedoch als intakt an.
Die Bemühungen zur haushaltspolitisch-fiskalischen und monetären Konsolidierung in Indien werden nach Meinung der OECD-Experten in 2008 und 2009 Früchte tragen und zu einer Abschwächung der Inlandsnachfrage im Speziellen und des gesamten Wirtschaftswachstums im Allgemeinen auf prognostizierte 8,4 Prozent (2009) führen. Als Risiko wird jedoch eine Verringerung der Kapitalzuflüsse aufgrund eines durch Inflationstendenzen hervorgerufenen Abwertungsdrucks auf die indische Währung gesehen.
Das Wachstum der russischen Wirtschaft werde sich in den nächsten Jahren - bedingt durch die auf hohem Niveau stagnierenden Rohstoffpreise - abschwächen, wenngleich staatliche Strukturprogramme dazu beitragen sollen, neue Sektoren intensiv zu fördern. Offen ist, ob dies zu Markt- und Wettbewerbsverzerrungen führen wird, die ihrerseits unternehmerische Aktivität und damit wirtschaftliche Dynamik dämpfen.
Die optischen Technologien werden nach übereinstimmender Meinung von BMBF und dem Branchenverband SPECTARIS ihren bisher gezeigten Wachstumskurs mit einer Rate von 8 bis 10 Prozent jährlich weiter fortsetzen. Dabei kristallisiert sich mit diodenbasierten Beleuchtungstechnologien - LEDs und OLEDs - ein neuer Wachstumstreiber heraus. Nicht zuletzt aufgrund der Einführung von LED-basiertem Fahrlicht im Automobilbereich werden für dieses Segment jährliche Steigerungsraten von bis zu 30 Prozent bis in das Jahr 2011 prognostiziert - wenn auch noch von einem sehr niedrigen Niveau ausgehend.
Nach Einschätzung der Experten der Laser Focus World wird auch der Weltmarkt für Lasertechnik weiter wachsen. Im Zuge der bereits angesprochenen erwarteten vorübergehenden Abkühlung im Halbleitermarkt wird die Dynamik jedoch leicht verringert und sich im Bereich von gut 7 Prozent auf 7,4 Milliarden Euro einpendeln. Gleichzeitig wird jedoch erwartet, dass die aufstrebenden Märkte ihre Technologie- und Produktbasis erweitern und so den Grundstein für zukünftiges Wachstum legen werden.
Trotz der erwarteten Abschwächung kann das Segment der Hochleistungsdiodenlaser als Pumpquellen mit 20 Prozent deutlich wachsen. Das liegt unter anderem an der fortschreitenden Substitution traditioneller Laserquellen durch diodengepumpte Faserlaser.
Trotz der nach wie vor soliden Nachfrage nach Konsumerelektronik, PCs und Mobiltelefonen - hier sind Nachfragesteigerungen von 10 bis 15 Prozent auch für die nächsten Jahre prognostiziert - gehen im Halbleitermarkt besonders die Speicherchiphersteller von einem schweren Start in das neue Jahr aus. Dies wird voraussichtlich nicht ohne Folgen für die Ausrüster bleiben, für die Gartner und die SEMI übereinstimmend einen leichten Rückgang auf gut 40 bzw. 41 Mrd US-Dollar prognostizieren, bevor hohes einstelliges Wachstum für den Rest der Dekade wieder auf der Tagesordnung erscheint.
Bezogen auf den weltweiten Chipmarkt wird von der Semiconductor Industry Association ein Umsatzzuwachs von 7,7 Prozent auf 275,3 Mrd US-Dollar erwartet.
Die Hersteller von Automatisierungstechnik erwarten laut Branchenverband ZVEI für die Folgejahre eine Fortsetzung des robusten Wachstumstrends der vergangenen Zeit. Auch der Verband der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) geht von einer Fortsetzung des dynamischen Wachstums von 5 Prozent aus und beruft sich in seinem Optimismus für 2008 besonders auf die hohen Auftragsbestände, den guten Auftragseingang sowie einen zu Grunde liegenden Konjunkturoptimismus.
Für 2008 rechnen Automobil-Experten damit, dass der europäische Markt erstmals den US-amerikanischen als größten Markt der Welt ablöst. Dabei geht der Branchenverband VDA von einem Absatzvolumen für Gesamteuropa von 16 Mio Pkw aus, während der US-Markt auf unter 16 Mio Autos fallen wird. Für Deutschland wird ein leichtes Anziehen des Marktes auf mindestens 3,2 Mio Pkw erwartet. Allerdings sehen die Experten auch bei dieser Prognose Risiken durch die unklare wirtschaftliche Entwicklung sowie durch den anhaltend hohen Ölpreis.
Starkes Wachstum erwarten die Fachleute des B&D-Forecast in den aufstrebenden Märkten China, Russland und Indien. Allein in China werde sich der Absatz 2008 um 16 Prozent auf 5,9 Mio Pkw erhöhen. Eine besondere Herausforderung für Hersteller und Zulieferer wird die Markteinführung technisch einfacher Billig-Autos in diesen Märkten sein. Dieses Marktsegment mit Preisen unterhalb von 10.000 Euro je Pkw wächst daher auch besonders dynamisch auf 24 Prozent bzw. 16 Mio Fahrzeuge im Jahr 2020.
Vor dem Hintergrund der Entwicklung der Automobilindustrie stehen Messtechnik und Sensorik zunehmend in einem Spannungsfeld: einerseits eine allgemeine Volumenausdehnung der Anwendungsbereiche durch aufstrebende Märkte, vor allem in Asien und Osteuropa, und andererseits die zunehmende Spreizung dieses Abnehmermarktes in Billigprodukte und - komplexere und damit messintensivere - Premiummarken. Obwohl die Klimadebatte den gesamten Markt erfasst hat, ist derzeit nur schwer absehbar, ob die höheren Präzisionserfordernisse zur Erreichung der CO2-Ziele zu einem erhöhten Messtechnikeinsatz führen oder dieser aufgrund der stark wachsenden, weniger komplexen Billig-Produkte insgesamt sinken wird.
Der Trend zu intelligenter und integrierter Verkehrsüberwachung wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Die Vernetzung der Messsysteme wird dabei an Bedeutung gewinnen. Dies illustriert die Online-Übertragung von Verkehrsdaten infolge digitaler Aufnahmesysteme, die sich zunehmend auf den Straßen durchsetzen. Schwer einschätzbar sind das langfristige Potenzial sowie die Durchdringungsraten von satellitengestützten Systemen zur kontinuierlichen Geschwindigkeitsüberwachung.
Der Luftverkehr wird nach allgemeiner Einschätzung der Experten von IATA und ICAO weiter mit Raten um die 5 Prozent pro Jahr wachsen. Auch in diesem Sektor sind die Wachstumsprognosen jedoch mit Unsicherheiten hinsichtlich der Turbulenzen an den Finanzmärkten sowie möglicher Terrorgefahren belegt. Nach den Bestellrekorden der Jahre 2006 und 2007 erwarten die großen Hersteller von Verkehrsflugzeugen für 2008 kein weiteres Rekordjahr. Man geht allerdings von einer weiteren Erhöhung der Auslieferungen um ca. 10 Prozent aus. Mit Spannung wird der Erstflug des ersten, zum Großteil aus Kohlefaserwerkstoffen gefertigten Flugzeuges vom Typ Boeing 787 erwartet, der in 2007 mehrfach verschoben werden musste. Dies gilt als Test für die neue Technologie und Fertigungsabläufe.
Bei der Europäischen Raumfahrttechnik dürfte mit der Installation des Columbus-Moduls die Etablierung der Raumstation ISS als internationales Großprojekt erfolgt sein. Ergänzungen und kontinuierlicher Verkehr der Versorgungsmodule verstetigen den Bedarf. Im 1. Halbjahr 2008 wird die ESA das erste unbemannte Transportfahrzeug ATV zur Versorgung der ISS senden. Sensoren der Jenoptik ermöglichen das vollautomatische Annähern und Andocken. Ende 2008 werden auf der ESA-Ministerratskonferenz entscheidende Richtlinien für die europäische Raumfahrt der kommenden Jahre beschlossen.
Für die Hersteller von Medizintechnik sind die Wachstumsaussichten gut: Demographischer Wandel und steigender Wohlstand sowie zunehmender Zugang von immer mehr Menschen zu medizinischer Versorgung sorgen für steigende Umsätze. Experten gehen von jährlichen Steigerungsraten von 8 bis 10 Prozent aus - gepaart mit deutlichen Gewinnsteigerungen. Allerdings ist auch festzustellen, dass in reiferen Segmenten der Margendruck zunimmt. In einem derartigen Wettbewerbsumfeld kommt somit der zunehmenden Internationalisierung verbunden mit Innovations- und Nachfrageorientierung der Unternehmen ein erheblicher Stellenwert zu.
Ein weiteres Boom-Jahr - auch außerhalb "traditioneller" Standorte - wird 2008 in der Solarindustrie erwartet: Globale Umsatzzuwächse von 20 bis 30 Prozent prognostiziert der Bundesverband der Solarwirtschaft (BSW) und rechnet infolgedessen mit einer signifikanten Erhöhung der Exportquote auf 50 Prozent im Jahr 2010 - langfristig werden 70 Prozent angestrebt. Im "World Energy Outlook 2006" entwickelt die Internationale Energie-Agentur (IEA) ein konservatives Referenzszenario mit einem Weltmarktvolumen von 23 Mrd Euro im Jahr 2030, während Prognosen von Greenpeace und der European Photonics Industry Association (EPIA) sogar von bis zu 170 Mrd Euro pro Jahr ausgehen. In dem Maße, wie sich Deutschland zum globalen Leitmarkt entwickelt, werden auch umfangreiche Anlageninvestitionen getätigt. Zukünftig wird das Wachstum vor allem in der Produktion von Dünnschicht-Solarzellen anfallen.
Die Wehr- und Sicherheitstechnik entwickelt sich weiterhin stabil - wenn auch mit veränderten Rahmenbedingungen: Kleinere und flexiblere Einheiten, hoher Standard im Personenschutz und nicht zuletzt räumliche Flexibilität sind die Anforderungen für die Zukunft. Zu erwähnen ist hier vor allem das A400M-Programm von Airbus-EADS, das die globale Reichweite von Truppen gewährleisten kann. Es ist zu erwarten, dass moderne Ortungs- und Kommunikationstechnik daher auch bei stagnierenden Rüstungshaushalten zu den Wachstumsfeldern gehören wird.